«Ein Anzug ist nie nur Kleidung»: Keren Mara Torsello über Power, Stil und die Seele von Amarcord
- Jul 23
- 11 min read
Mit knapp 19 Jahren gründete Keren Mara Torsello gemeinsam mit ihrem Bruder die Zuger Schneiderei Amarcord. Zehn Jahre später spricht sie mit REACH über Frauen in Anzügen, echte Qualität, fragwürdige Old-Money-Trends und die Frage, weshalb ein Kleidungsstück manchmal mehr Selbstvertrauen gibt als jeder Motivationspodcast.

Es gibt Menschen, bei denen man nach wenigen Minuten merkt:
Sie tragen ihre Kleidung nicht einfach. Sie verstehen sie.
Keren Mara Torsello ist so ein Mensch.
Sie spricht über Schultern, Proportionen und die Konstruktion eines Sakkos mit einer Begeisterung, die normalerweise für grosse Liebesgeschichten reserviert ist. Und irgendwie ist es genau das. Eine Liebesgeschichte zwischen Handwerk, Menschen und der Überzeugung, dass ein gut gemachter Anzug weit mehr verändern kann als nur das eigene Spiegelbild.
2016 gründete sie gemeinsam mit ihrem vier Jahre älteren Bruder Amarcord.
Sie war damals knapp 19 Jahre alt. Er war ein frustrierter Kunde, der trotz verschiedener Schneidereien nie die Qualität und das Erlebnis erhielt, das ihm versprochen worden war.
Keren wiederum hatte ihre Ausbildung in der Damenmode bei Grieder absolviert und später in Holland erste Einblicke in die Welt der Herrenschneiderei gewonnen.
Aus einem konkreten Bedürfnis entstand eine eigene Marke.
Heute produziert Amarcord einen grossen Teil seiner Kollektion im eigenen Atelier auf Sizilien, betreibt eine Boutique in Zug und hat kürzlich den ersten eigenen Onlineshop lanciert.
Doch trotz Wachstum bleibt die Grundidee dieselbe: Kleidung soll nicht einfach gut aussehen. Sie soll etwas mit einem Menschen machen.
Zeit, genauer hinzuschauen.
«Wir wollten nicht einfach unser Label in irgendein Produkt nähen»
REACH: Du warst knapp 19 Jahre alt, als du Amarcord gegründet hast. Wie kommt man in diesem Alter auf die Idee, eine eigene Schneiderei aufzubauen?
Keren Mara Torsello: Mein Bruder war damals ein unzufriedener Kunde. Er hatte bei verschiedenen Schneidereien Anzüge bestellt, aber nie wirklich eine saubere Experience. Entweder hat das Fitting nicht gestimmt oder es wurden Dinge versprochen, die später nicht umgesetzt werden konnten.
Ich hatte meine Lehre bei Grieder in der Damenmode gemacht und bin danach nach Holland gegangen, wo ich stärker mit Herrenschneiderei in Berührung kam. Wir kommen zudem aus einer Unternehmerfamilie. Aus diesen verschiedenen Elementen entstand der Wunsch, etwas Eigenes zu gründen.
Uns war aber klar, dass wir nicht einfach mit irgendeiner Fabrik zusammenarbeiten und unser Label in ein bestehendes Produkt nähen wollten. Wir wollten unserer Kundschaft echte Schneiderei bieten. Und zwar in Zug, wo es das damals fast nicht mehr gab.
REACH: Also eigentlich die klassische Entrepreneur Story. Jemand ist mit dem bestehenden Angebot unzufrieden und ihr sagt: Dann machen wir es eben selbst.
Keren: Genau. Aber wir wollten es wirklich anders machen. Nicht einfach ein weiteres Produkt, sondern etwas mit Substanz, Handwerk und einer eigenen Haltung.
Weshalb ein Anzug sofort etwas verändert
REACH: Viele Menschen verbinden Anzüge vor allem mit Business und formellen Anlässen.
Was bedeutet ein Anzug für dich persönlich?
Keren: Für mich ist ein Anzug immer ein Powerstatement. Gerade auch als Frau.
Historisch kommt der Anzug aus der Uniform. Er wurde für das Militär, die Polizei und andere funktionale Zwecke entwickelt. Dadurch bringt er automatisch eine gewisse Position und Kraft mit. Das gilt heute für Männer genauso wie für Frauen.
REACH: Ein Mann in einem guten Anzug ist attraktiv. Aber eine Frau in einem perfekt sitzenden Anzug betritt einen Raum und es macht einfach: Boom.
Keren: Absolut. Wobei es technisch sehr viel schwieriger ist, einen Anzug für einen Frauenkörper zu konstruieren.
Es gibt unterschiedliche Brustformen, Rückenbreiten, Schultern, Taillen und Proportionen. Der Frauenkörper ist komplex. Deshalb ist es für eine Frau fast immer eine bewusste Entscheidung, einen Anzug zu tragen.
Und genau das spürt man.
Der Anzug ist zurück. Zum Glück.
REACH: Weshalb erlebt der klassische Anzug gerade ein so grosses Comeback?
Keren: Seit Covid hat sich unser Verhältnis zu Kleidung stark verändert. Alles wurde extrem aufgelockert. Meiner Meinung nach teilweise zu stark und nicht unbedingt auf eine positive Weise.
Gleichzeitig befinden wir uns in einer Fashionphase, in der der sogenannte Old-Money-Look sehr präsent ist. Ich mag den Begriff nicht besonders, weil ein Anzug nichts mit Geld oder Herkunft zu tun haben muss.
Ein Anzug ist etwas, das man anzieht, um einen Zweck zu erreichen. Vielleicht geht man arbeiten. Vielleicht heiratet man. Vielleicht trifft man eine Bank oder Investoren. Vielleicht will man eine bestimmte Position einnehmen.
Wir haben wieder mehr Lust darauf, uns auch visuell in ein bestimmtes Mindset zu versetzen.
REACH: Ich bin Millennial. Ich ziehe mich gerne schön an, trage hohe Schuhe und gehe gerne gut essen. Und dann sitzt am Tisch neben mir jemand in ausgeleierten Trainingshosen. Ich frage mich schon manchmal: Wo ist der Effort geblieben?
Keren: Es hat auch mit Respekt zu tun.
Wenn man jemandem gegenübersitzt, ob bei einem Date oder in einem Businessmeeting, möchte man, dass sich die andere Person Mühe gibt. Und genauso sollte man selbst auftreten. Es geht dabei nicht nur um Kleidung. Haare, Make-up, Pflege, die gesamte Erscheinung spielen eine Rolle.
Es ist eine Form zu zeigen: Dieser Moment und mein Gegenüber sind mir wichtig.
Woran erkennt man einen wirklich guten Anzug?
REACH: Qualität ist in der Mode zu einem ziemlich schwammigen Begriff geworden.
Woran erkennt man einen hochwertigen Anzug wirklich?
Keren: Ein Anzug besteht aus sehr vielen Elementen. Deshalb kann man die Qualität nie nur an einem Punkt festmachen.
Es beginnt im Inneren. Bei der Konstruktion, den Schultern, den Fäden und der Verarbeitung. Dann kommt alles, was man von aussen sieht: der Stoff, der Stil, die Masse und die Proportionen.
Für mich ist der Stoff einer der wichtigsten Punkte, weil er über die Langlebigkeit eines Anzugs entscheidet. Dazu kommen Details wie die Position und Breite des Revers. Solche Elemente geben einem Produkt eine Seele und eine eigene Attitude.
REACH: Man fühlt den Unterschied auch. Ein hochwertiger Anzug verändert die Haltung sofort.
Keren: Genau. Und die Passform muss stimmen. Nicht nur im Stehen, sondern auch in der Bewegung.
Die Menschen haben heute durch die Industrialisierung viel weniger Wissen darüber, wie gute Kleidung konstruiert ist. Das gilt nicht nur für Anzüge. Deshalb wird eine kompetente Beratung immer wichtiger. Ein Anzug ist sehr persönlich und braucht viel Know-how.
Die drei häufigsten Fehler beim Anzugkauf
REACH: Was machen Menschen beim Kauf eines Anzugs am häufigsten falsch?
Keren: Erstens wählen sie die falsche Grösse. Sie achten nicht ausreichend auf Längen, Breiten und die richtigen Proportionen.
Zweitens kaufen sie eine Farbe, die ihnen zwar gefällt, die ihnen aber nicht unbedingt steht.
Und drittens setzen sie sich zu wenig mit ihrem eigenen Stil auseinander. Weshalb möchte ich einen Einreiher? Weshalb einen Doppelreiher? Beide haben eine eigene Sprache.
Dabei liegt die Verantwortung nicht nur bei den Kundinnen und Kunden. Eine gute Beratung muss genau diese Fragen stellen. Die Person kommt zu mir, weil sie in ihrem eigenen Beruf die Expertin oder der Experte ist. Von mir darf sie erwarten, dass ich sie in meinem Gebiet richtig berate.
Der eine Anzug, den wirklich jeder besitzen sollte
REACH: Nehmen wir an, ein Mensch darf im ganzen Leben nur einen einzigen Anzug besitzen. Welcher wäre es?
Keren: Ein nachtblauer Doppelreiher.
REACH: Weshalb nicht klassisch schwarz?
Keren: Weil der nachtblaue Doppelreiher unglaublich vielseitig ist. Vorausgesetzt, der Schnitt und die Verarbeitung stimmen und er wird auf Mass gefertigt.
Mit feinen weissen Sneakern und einem weissen T-Shirt kann man ihn sehr casual tragen. Mit weissem Hemd, schwarzem Loafer und dunkelblauer Krawatte funktioniert er auch für einen eleganten Abendanlass.
Er ist nicht zu formell, kann aber sehr formell werden. Er lässt sich in beide Richtungen stylen.
Wobei ich ehrlich sagen muss: Meistens bleibt es nicht bei einem Anzug.
Das haben wir uns bereits gedacht.
Was ein guter Schnitt mit dem Gesicht macht
REACH: Du siehst wahrscheinlich täglich, wie Menschen in einem T-Shirt ins Geschäft kommen und sich kurz darauf zum ersten Mal in einem perfekt sitzenden Anzug betrachten. Was passiert in diesem Moment?
Keren: Man sieht die Veränderung sofort im Gesicht.
Ein Anzug gibt Confidence, Sicherheit und ein Gefühl von Schutz. Dazu kommen ein gut sitzendes Hemd und vielleicht eine Krawatte. Auch die Krawatte ist ein starkes Powerstatement.
Die eigentliche Veränderung passiert im Inneren. Man zieht bestimmte Kleidungsstücke an und merkt sofort: Das sieht gut aus. Diese Sicherheit verändert die eigene Haltung und vermutlich auch sehr viel im Unterbewusstsein.
Aber es muss der richtige Anzug sein. Nicht jeder Anzug erzielt automatisch diesen Effekt.
REACH: Es ist fast so, als würde man eine Version von sich selbst kennenlernen, die schon immer da war, aber bisher noch keinen passenden Blazer besessen hat.
Keren: Das ist schön gesagt. Genau darum geht es.
Der perfekte Frauenanzug kaschiert nicht. Er balanciert.
REACH: Worauf sollte eine Frau bei einem modernen Businessanzug besonders achten?
Keren: Proportionen sind der Schlüssel.
Ein Anzug kann den Körper wunderbar ausbalancieren. Wir haben gerade oder fallende Schultern, vielleicht ist eine Schulter höher als die andere. Wir haben lange oder kurze Beine. Durch die Konstruktion lässt sich all das optisch harmonisieren.
Deshalb sollte man die eigenen Proportionen kennen und sich von jemandem beraten lassen, der sie wirklich lesen kann.
Der Anzug sollte zudem nicht nur gekauft werden, damit man einen besitzt. Er muss zur Person passen, langlebig sein und etwas ausdrücken. Ein guter Anzug wird auf den Körper gebaut und kann sich durch natürliche Stoffe teilweise sogar mit ihm verändern.
Feminin, elegant und trotzdem cool
REACH: Du schaffst es selbst sehr gut, elegant und feminin auszusehen, ohne dass es konservativ wirkt. Wie gelingt dieser Spagat?
Keren: Für mich bleibt der Herrenanzug immer die Referenz, weil der Anzug ursprünglich vom Mann kommt.
Auch bei einem Damenanzug arbeite ich deshalb mit klassischen männlichen Proportionen. Der Frauenkörper wird aber bewusst einbezogen. Besonders wichtig sind Schulter, Brust und Taille.
Eine schön konstruierte Schulter gibt Präsenz. Danach kann man über die Taille wieder stärker mit dem weiblichen Körper arbeiten. Der Anzug zeichnet den Körper nicht einfach nach. Er rahmt ihn.
Auch ein Hemdkragen spielt eine grosse Rolle. Ich sage immer: Der Kragen ist wie ein Juwel für das Gesicht. Menschen schauen dir in die Augen und nehmen gleichzeitig alles wahr, was dein Gesicht umrahmt.
Okay, diesen Satz nehmen wir ab sofort mit in jede Umkleidekabine.
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Die Farbkombination, mit der man wenig falsch machen kann
REACH: Welche Anzugkombination würdest du jeder Frau empfehlen?
Keren: Dunkelblau und Weiss ist ein Klassiker. Es hat etwas Maritimes, wirkt aber sofort auch casual und cool.
Man kann mit einem dunkelblauen Blazer, einer passenden Hose und einem weissen Hemd starten. Ergänzt man eine weisse Hose, entstehen direkt mehrere Kombinationen.
Ich mag auch helle Anzüge sehr gerne. Eine Frau kann problemlos in einem cremefarbenen Anzug und einem hellblauen Hemd in ein Businessmeeting gehen. Es bleibt professionell, bringt aber eine weichere und femininere Wirkung hinein.
Wichtig ist, die eigenen Farben zu kennen. Sobald man weiss, welche Farben dem eigenen Gesicht guttun, kann man sehr viel mutiger werden.
Kann KI irgendwann einen Massanzug schneidern?
REACH: Wir müssen über künstliche Intelligenz sprechen. Wird KI irgendwann Mass nehmen, beraten und vielleicht sogar Schneiderinnen und Schneider ersetzen?
Keren: KI wird definitiv einen Einfluss auf unsere Branche haben.
Es gibt bereits 3D-Scanner und internationale Systeme, die komplexe Lieferketten miteinander verbinden. Ein Stoff wird beispielsweise in Italien hergestellt, in Rumänien zugeschnitten und in Portugal zusammengenäht. Solche Prozesse kann KI künftig stark unterstützen.
Aber ich glaube nicht, dass sie einen Schneider vollständig ersetzen kann.
Ein Schneider erkennt, wie sich eine Person bewegt, wie sie sich in einem Kleidungsstück fühlt und was mit den Formen passiert. Vielleicht ist etwas technisch gesehen ein Fehler, funktioniert bei einem bestimmten Körper aber genau richtig. Diese feinen Unterschiede lassen sich nicht einfach standardisieren.
REACH: Und bei der Stilberatung?
Keren: Dort kann KI eine gute Basis liefern. Bei Farben, Stiltypen oder auch bei der Visualisierung eines Anzugs kann sie sehr hilfreich sein.
Aber sie wird zunächst mit Standards arbeiten. Eine persönliche Beratung fragt nicht nur: Was sollte dir laut Regel stehen? Sie fragt auch: Wie fühlst du dich darin?
Eine Regel bringt nichts, wenn jemand das Kleidungsstück am Ende nicht trägt.
Der menschliche Faktor bleibt. In unserer Branche erst recht.
Fünf Teile, die einen Kleiderschrank retten können
REACH: Welche fünf Pieces sollte wirklich jeder Mensch im Kleiderschrank besitzen?
Keren: Einen kompletten Anzug mit Hose und Jacke. Einen separaten Blazer oder ein Overshirt, das sich mit der Anzughose kombinieren lässt. Ein perfektes Hemd, idealerweise auf Mass. Ein gutes T-Shirt oder im Winter hochwertiger Strick. Und die perfekte Jeans.
Mit diesen Teilen hat man bereits sehr viele Möglichkeiten. Aber wenn man sich auf wenige Stücke beschränkt, müssen sie wirklich perfekt sein.
REACH: Und welche Schuhe zum Anzug? Loafer oder Sneaker?
Keren: Loafer. Hundert Prozent.
Das kam schnell. Wir akzeptieren das Urteil.
Was bedeutet Eleganz im Jahr 2026?
REACH: Ist Eleganz heute noch eine Frage von Dresscodes?
Keren: Eleganz ist für mich vor allem Confidence.
Wenn man weiss, was man trägt, und sich darin wohlfühlt, verändert sich automatisch die Körperhaltung. Hinzu kommt das, was man auf Italienisch i modi nennt. Die Art zu sprechen, sich zu bewegen und aufzutreten.
Man kann wunderschön angezogen sein und trotzdem nicht elegant wirken.
Eleganz entsteht aus der Kombination von Kleidung und Haltung. Sie beginnt viel weiter innen.
Wie viel darf ein guter Anzug kosten?
REACH: Sprechen wir über Geld. Wie viel muss man für einen guten Anzug ausgeben?
Keren: Das ist komplex. Was ich aber sagen kann: Für 1’000 Franken lässt sich kaum ein wirklich guter Anzug herstellen.
Allein eine Jacke benötigt mindestens 16 Stunden Arbeit. Dazu kommen Stoff, Futter, natürliche Knöpfe, Konstruktion und viele weitere Elemente. Die Rechnung geht bei einem sehr tiefen Verkaufspreis schlicht nicht auf.
Ein guter Anzug ab der Stange sollte meiner Meinung nach mindestens etwa 1’500 Franken kosten. Für einen Massanzug würde ich durchschnittlich mit 2’500 bis 3’000 Franken rechnen.
Bei einem weitgehend handgefertigten Anzug beginnt die eigentliche Kunst der Schneiderei. Dort bewegt man sich eher ab 3’000 bis 4’000 Franken. Je nach Stoff kann es natürlich deutlich mehr werden.
REACH: Das klingt zuerst nach viel Geld. Auf ein ganzes Leben heruntergerechnet sieht es aber wieder anders aus.
Keren: Genau. Ein langlebiger Anzug kann am Ende günstiger sein, als jedes Jahr einen neuen für 700 Franken zu kaufen.
«Unsere Produkte sollen eine Seele behalten»
REACH: Amarcord hat gerade einen eigenen Onlineshop lanciert. Wie digitalisiert man eine Marke, die so stark von persönlicher Beratung und Handwerk lebt?
Keren: Es war unglaublich viel Arbeit, weil wir als Brand alles selbst produzieren, fotografieren und beschreiben müssen.
Der Onlineshop entstand auch durch die internationale Nachfrage. Wir hatten Kundinnen und Kunden aus verschiedenen Ländern, die wir bisher über WhatsApp und persönliche Kontakte betreut haben. Nun können sie die gesamte Kollektion online ansehen.
Was uns aber wirklich unterscheidet: Wir sind sehr nah an der Quelle jedes Produkts.
Vor drei Jahren haben wir ein eigenes Atelier gegründet. Heute entstehen etwa 80 bis 85 Prozent unserer Produkte dort. Wir produzieren so viel wie möglich selbst, weil wir fast obsessiv sind, wenn es um die Kontrolle der Qualität geht.
Natürlich bedeutet das nicht, dass immer alles perfekt ist. Es arbeiten Menschen daran. Aber genau dadurch behalten die Produkte ihre Seele.
Unsere Mitarbeitenden wissen, für wen sie ein Stück herstellen. Sie erinnern sich an Kundinnen und Kunden, fragen nach, ob eine Jacke gepasst hat, und freuen sich über das Resultat. Das ist etwas, das man im fertigen Produkt spürt.
https://www.amarcord.swiss https://www.amarcord.swiss https://www.amarcord.swiss
Von einer einzigen Naht zur ganzen Jacke
REACH: Was bedeutet das eigene Atelier für die Menschen, die dort arbeiten?
Keren: Einige unserer Mitarbeitenden haben vorher ihr ganzes Leben lang nur einen einzigen Arbeitsschritt ausgeführt. Immer dieselbe Naht, immer dieselbe Schulter, ein Stück nach dem anderen. Heute fertigen sie eine komplette Jacke von Anfang bis Ende.
Unser Production Manager Fabrizio ist dabei auch ein Lehrer. Er zeigt Techniken, kombiniert bestehendes Wissen neu und hilft dabei, dass die Menschen ihr Handwerk weiterentwickeln.
Ich habe erlebt, wie sie dadurch aufblühen.
Wir sind noch klein und ein kleiner Produzent hat auch Schwierigkeiten. Aber die Menschen bleiben loyal, weil sie sehen, was sie herstellen und weshalb sie es tun.
Für uns könnte es nichts Schöneres geben.
Ein Anzug wie eine Umarmung von aussen
Bei meinem Besuch bei Amarcord durfte ich einen lilafarbenen Leinenblazer anprobieren.
Und ja, natürlich sah er gut aus. Aber da war noch etwas anderes. Etwas, das sich schwer in Materialangaben, Zentimetern oder Produktbeschreibungen erklären lässt.
Der Blazer fühlte sich an wie eine Umarmung von aussen.
Keren lächelt, als ich ihr das sage. Denn genau dieses Gefühl ist das Ziel, das sie mit Amarcord täglich verfolgt.
Vielleicht ist das die eigentliche Definition eines guten Kleidungsstücks.
Es verkleidet uns nicht. Es korrigiert uns nicht. Es versucht auch nicht, aus uns jemand anderen zu machen. Es erinnert uns nur daran, wie wir uns fühlen können, wenn wirklich alles sitzt.
Vielleicht ist genau das die wahre Kunst von Amarcord: Kleidung zu schaffen, die nicht lauter ist als der Mensch, der sie trägt, ihm aber trotzdem das Gefühl gibt, einen Raum anders zu betreten.






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